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Entspannungsverfahren bei chronischen Schmerzen

Dec 20, 2015 3:38 AM

Liebe Schmerzgemeinschaft,

Entspannungsverfahren sind ein fester Bestandteil der multimodalen Therapie chronischer Schmerzen. Sie sind gut untersucht und in ihrer Wirksamkeit hinreichend belegt. Ich möchte Ihnen hier in diesem Beitrag eine Entspannungsübung und deren Wirkung erklären.

Schmerz wirkt als Stressor und geht mit verschiedenen vegetativen, emotionalen und kognitiven Reaktionen einher. Entspannung hingegen ist ein spezifischer körperlicher Prozess, bei dem es zur Verminderung der neuronal-hormonellen Erregung (Sympathikus-Deaktivierung) im Körper und Veränderung von Hirnprozessen (u.a. hirnelektrische Aktivität) kommt. Als wichtigste Reaktionen im Körper kommt es dabei zur Gefässerweiterung, Muskelentspannung, Senkung des Blutdrucks, Sauerstoffverbrauchs sowie Immunaktivierung. 
Bezweckt werden in der Therapie damit mehrere Wirkungen:

- Körperliche Schmerzen gehen häufig mit erhöhten Spannungs- und Erregungszuständen einher. Entspannungsübungen mindern diese innere Anspannung sowie die damit verbundene körperliche Stressreaktion. 

- Sie ermöglichen eine Unterbrechung des Teufelskreises aus Schmerzen und Muskelspannung, die sich gegenseitig aufschaukeln können, und führen zu einer Abnahme zu hoher Muskelspannung. 

- Durch die Entspannungsübung wird eine gezielte Lenkung und Beeinflussung von Wahrnehmungs und Aufmerksamkeitsamkeit möglich. Dadurch kann die Schmerzwahrnehmung in den Hintergrund treten, was letztlich die Eigenwirksamkeit und Kontrollfähigkeit im Umgang mit Schmerzen stärkt.
 
- Sie eignen sich als erwiesene Ein- und Durchschlafhilfe.  

Unter den verschiedenen Entspannungsübungen ist die progressive Muskelentspannung nach Jakobson (PMR) in der Schmerzbehandlung am weitesten verbreitet. Hierbei werden über 25- 30 Minuten nacheinander 16 Muskelgruppen gezielt kurz angespannt (5-7 s) und entspannt (30-40 s). Der Anwender wird dabei zum sorgfältigen Beobachter des auftretenden Entspannungsprozesses.

Hier finden Sie ein YouTube Video, welches Sie bei der Entspannungsübung begleitet:

https://www.youtube.com/watch?v=sAw7l-_lJyQ

Wichtig ist zu beachten, dass das Verfahren einen Trainingseffekt benötigt. Mit zunehmender Erfahrung sollte die Entspannung dann rascher und tiefer gelingen. Tägliches Üben ist also empfehlenswert. Im Alltag empfiehlt sich der Einsatz anfangs in Ruhephasen, nicht direkt nach dem Essen, Kaffee oder Belastungssituationen. Der Geist sollte zur Ruhe kommen können, sonst entsteht leicht Frustration. Vorteilhaft ist auch sportliche Betätigung in den Stunden zuvor.

Hintergrund: Der amerikanische Arzt und Physiologe Edmund Jakobson entwickelte PMR während seiner 20-jährigen Forschungstätigkeit an der Harvard University. Mit dem Einsatz der PMR verfolgte er die Verbesserung der Körperwahrnehmung und Entwicklung eines "Muskelsinns". Dadurch kann frühzeitige Verspannung, wie z.B. Hochziehen der Schultern oder Zähne-Aufeinander-Beissen, besser erkannt und entgegengewirkt werden. So kann PMR einerseits in Ruhephasen zur vertieften Entspannung aber auch in Alltagssituationen zum Abbau von Erregung eingesetzt werden. Gleichzeitig ermöglicht sie die Übung der fokussierten Aufmerksamkeit und Konzentration. 

Wir wünschen viel Spass beim Ausprobieren. Berichten Sie anschliessend über Ihre Erfahrungen mit dieser Übung und tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen darüber aus. Gemeinsam sind wir stärker als der Schmerz.

Dr. med. Marc Fouradoulas

Feb 20, 2016 4:33 AM

Das glaube sofort - die Erfahrungen habe ich auch in der Schmerzklinik der Schmerztherapie und Entspannungs Training gemacht.

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