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Fibromyalgie - eine Einführung

Dec 21, 2015 6:53 AM

Fibromyalgie ist nach Arthrose die zweithäufigste chronische muskuloskeletale Schmerzstörung. Sie betrifft etwa 2 bis 8% der Bevölkerung, vorrangig Frauen im mittleren Lebensalter1. Die Häufigkeit ist vergleichbar in verschiedenen Ländern, Kulturen und ethnischen Gruppen, steigt jedoch, wenn sie bereits bei einem Familienmitglied ersten Grades diagnostiziert wurde.

Was ist Fibromyalgie und wie wird sie diagnostiziert?

Fibromyalgie ist gekennzeichnet durch ausgeweitete Schmerzen und wird begleitet von anderen Symptomen wie Müdigkeit, kognitiven Problemen und Schlafstörungen. Der Schmerz ist schwer fassbar, nicht in bestimmten Körperregionen lokalisiert und wird oft als generalisierte Schmerzempfindlichkeit bezeichnet, welche vor allem im Weichteilgewebe auftritt. Daher auch die Bezeichung Weichteilrehuma. Die vom American College of Rheumatology 2010 vorgeschlagenen Diagnosekriterien3 umfassen chronische (>3 Monate), ausgeweitete Schmerzen und das Vorhandensein der vier Punkte Müdigkeit, nicht erholsamer Schlaf, kognitive Symptome (Konzentration, Schwindelgefühl, Gedächtnisprobleme) und einer Summe weiterer nicht spezifizierter Symptome wie Kribbeln, Reizdarm oder -blase, trockene Augen oder Kopfschmerzen.
Andere Ursachen wie eine Verletzung, Infektion oder Entzündung müssen ausgeschlossen werden, obwohl die Fibromyalgie häufig (10-30%) in Begleitung anderer rheumatischer Erkrankungen wie rheumatischer Arthritis, Lupus und der Bechterew-Krankheit auftritt. Weitere häufige gleichzeitige Erkrankungen umfassen das Reizdarmsyndrom, Kiefervespannungen (Bruxismus), Reizlase und viele weitere so genannte funktionelle Störungen.

Die Diagnosekriterien änderten sich im Jahre 2010 und das bisher einzige klinische Kriterium „Tender Points" wurde abgeschafft. Diese „Tender Points" bezogen sich auf die Beobachtung einer erhöhten Empfindlichkeit für Berührung und Druck, besonders im Bereich von Gelenken, was einer herabgesenkten Schmerzschwölle entspricht. Dies bedeutet aber nicht, dass ein Schaden im Gewebe vorliegt. Vielmehr wird die Weiterleitung des Schmerzes über das Nervensystem verstärkt: Was andere als Berührung empfinden, erleben Fibromyalgie-Patienten als Schmerz. Aus diesem Grund wird die Fibromyalgie als „zentrale Schmerzstörung" und nicht als periphere Störung angesehen. Um es kurz zu machen: Die Diagnose Fibromyalgie wird auf Basis einer arithmetischen Punktzahl aus nicht spezifizischen Symptomen gestellt, ohne Diagnosemarker im Blut, der Bildgebung oder körperlicher Untersuchung.

Das Problem mit der Fibromyalgie-Diagnose

Die Diagnosekriterien diente ursprünglich Forschungszwecken und waren nie für die Bestimmung einer eigentlichen Erkrankung gedacht. Infolgedessen fasst die Diagnose Symptome zusammen, welche überdurchschnittlich häufig gemeinsam auftreten, aber verschiedene eigentliche Ursachen haben können. Daher ist es besser, den Begriff Fibromyalgiesyndrom (FMS) zu verwenden. FMS ist eine umfassende Bezeichnung, die dem Therapeut eine Vorstellung davon vermittelt, von welchen Symptomen die Rede ist, und dass andere Ursachen (v.a. Entzündung) ausgeschlossen sind. Der Wert dieser Diagnose im Behandlungsprozess ist allerdings begrenzt, da das Verständnis der Ursache und Entwicklung von FMS weiterhin sehr beschränkt ist. Daher ist es wichtig, diese Diagnose nicht überzubewerten. Auf der anderen Seite kann die Diagnose Sie in die richtige Richtung weisen, weitere unnötige Diagnoseverfahren vermeiden und helfen, Therapieangebote zu finden. Er betont auch, dass der Schmerz nicht aufgrund von Schäden im schmerzhaften Regionen auftritt und nicht fortschreitend ist.

Was sind die Ursachen von FMS?

Mehrere biologische (genetische, Entzündung), psychologische und soziale Faktoren sind für die Entstehung von FMS identifiziert worden. In den letzten Jahren wurde FMS zunehmend als Störung des Stressverarbeitungssystems bezeichnet. Die Verarbeitung von Stress und Schmerz ist eng miteinander verknüpft und beeinflusst sich gegenseitig, was zu einer gestörten Regulierung der Schmerzen im zentralen Nervensystem führt. Kindheitstrauma oder Vernachlässigung, körperliche Traumata und psychologische Faktoren wie innere Unruhe, Depressionen und Stressbelastungen wurden mit der Entwicklung von FMS in Verbindung gebracht4.
Mit anderen Worten, chronische psychische als auch körperliche Belastungen scheinen eine wichtige Rolle zu spielen. Dies gestaltet die Behandlung schwierig, aber erklärt den Fokus auf psychologische und psychopharmakologische Behandlungen. Es gibt viel mehr über diesen Zustand und die Optionen zur Behandlung zu sagen, und wir werden diese in weiteren Artikeln behandeln

Sie sind herzlich dazu eingeladen, hier Fragen zu stellen oder den Artikel zu kommentieren. Wir freuen uns über Ihre Rückmeldungen und eine angeregte Diskussion.

Mit freundlichen Grüssen,
Dr. med. Marc Fouradoulas

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Quellen:
1: Clauw, Daniel J. "Fibromyalgia: a clinical review." Jama 311.15 (2014): 1547-1555.
2: http://www.fmcpaware.org/fibromyalgia/prevalence.html
3: http://www.rheumatology.org/Portals/0/Files/2010_Preliminary_Diagnostic_Criteria.pdf
4: Egle, ULRICH T., and B. Zentgraf. "Psychosomatische Schmerztherapie."Stuttgart: Kohlhammer (2014).

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