Learn from patients with pain similar to yours

CatchMyPain Community and Pain Diary App to manage chronic illness

Medikamentöse Behandlung bei Fibromyalgie

Dec 29, 2015 7:48 AM

Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen gerne einen Überblick über die verschiedenen Medikamente geben, die beim Fibromyalgie Syndrom (FMS) angewendet werden. Die drei Hauptgruppen sind: Antidepressiva, Antiepileptika und Analgetika (Schmerzmittel).

Mittel der ersten Wahl: Antidepressiva

Die besten Studienergebnisse und Erfahrungen bestehen für die Antidepressiva Amitriptylin (Saroten© bei min. 10 mg/Tag) und Duloxetin (Cymbalta© bei 60 mg/Tag). Der Grund für den Einsatz von Antidepressive liegt darin, dass bestimmte bei Depressionen beeinträchtigte Botenstoffe (Dopamin, Serotonin, Noradrenalin) ebenfalls eine Rolle bei der Schmerzverarbeitung spielen und die Medikamente dieses Ungleichgewicht ausgleichen sollen. Ausserdem ist das für Emotionen zuständige Netzwerk im Gehirn eng mit dem der Schmerzen verflochten. Die Wirkungen, die im Rahmen von Studien beobachtet wurden, zeigten nach einer Behandlung von 12 Wochen eine Linderung der Schmerzen von 25 bis 50% (wirksamer als Placebo).

Trotz dieser positiven Studienergebnisse zeigen die Erfahrungen im Alltag, dass die Mehrheit der FMS-Patienten keinen grossen Nutzen aus einem einzelnen Medikament bezieht. Ausserdem können die Nebenwirkungen (z.B. trockener Mund, Müdigkeit) stark sein. Direkte Patientenbefragungen zeigten keinen oder nur einen mässigen Nutzen von Antidepressiva bei FMS. Andere Antidepressiva können als Zweitlinien-Therapie eingesetzt werden, wobei diese weniger Beweiskraft in Bezug auf ihre Wirkung besitzen.
 
Mittel der zweiten Wahl: Antiepileptika

Diese Medikamente haben gezeigt, dass sie die Verarbeitung von Schmerzen im Gehirn beeinflussen und werden hin und wieder im Rahmen der Fibromyalgie eingesetzt. Vor allem werden sie aber bei neuropathischen (Nerven) Schmerzen eingesetzt. Dazu gehören Gabapentin (Neurontin©, 1200-2400 mg/Tag) und Pregabalin (Lyrica© bei 300-450 mg/Tag). Die Wirkungen bzgl. Schmerzlinderung nach 12 Wochen waren bei beiden Medikamenten ähnlich, die Nebenwirkungen im Vgl. zu den Antidepressiva jedoch stärker. Die Wirknachweise aus Studien sind gegenüber Antidepressiva schwächer, und folglich variiert die Empfehlung von Land zu Land. Interessant ist, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) aufgrund von Einschränkungen der Studien die Zulassung für Duloxetin und Gabapentin zur Behandlung von Fibromyalgie abgelehnt hat, während die FDA sie in den USA genehmigte.
 
Analgetika (Schmerzmittel):

Klassische Schmerzmittel wie Paracetamol oder NSAR haben sich nicht als sehr effektiv erwiesen. Eine langfristige (>12 Wochen) Anwendung sollte vermieden werden. Komplikationen wie z.B. Nierenschäden und Magengeschwüre sind zu problematisch.

Betäubungsmittel (Opioide) sollten beim Fibromyalgie Syndrom unter allen Umständen vermieden werden, da diese über lange Sicht die Schmerzempfindlichkeit erhöhen und zu einer Vielzahl von Komplikationen führen können.

Fazit:

Beim Fibromyalgie Syndrom ist die Wirkung von Medikamenten leider nicht so stark, wie man sich diese erhoffen würde. Medikamente sollten (falls überhaupt) nur einen Teil der Therapie ausmachen. In den kommenden Tagen werde ich in einem weiteren Artikel näher auf die nicht-medikamentösen Behandlungen bei Fibromyalgie eingehen.

Besprechen Sie Ihre persönliche Therapie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Ich hoffe, dieser Artikel hilft Ihnen beim Verständnis der verschiedenen medikamentösen Möglichkeiten.

Mit freundlichen Grüssen,
Dr. med. Marc Fouradoulas

Feb 24, 2016 2:35 PM

Wie sieht es mit den Symptomen wie - Lichtempfindlichkeit - Hitzewallungen und Schüttelfrost mit Fieber aus - gibt es dazu auch Studien oder Informationen ? Ich bin eine von vielen Fibromyalgie Patienten die diese Symptome zusätzlich haben.

Ready to start relieving your pain?

Join Community