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Schmerzen psychosomatisch?

Nov 23, 2017 3:36 PM

Meine Hausärztin scheint sich ziemlich sicher, dass meine mittlerweile 10 Wochen bestehenden Rückenschmerzen psychosomatischer Natur sind. Ich habe da Zweifel und Angst, dass es doch etwas anderes sein könnte und ich mit Psychotherapie nur Zeit verschwende.
MRT, Röntgen und Blutbild haben nichts ergeben.

Hat jemand schonmal psychosomatische Schmerzen gehabt und kann beschreiben wie die sich anfühlen?
Oder wie man sie von anderen Ursachen unterscheiden kann?

Nov 24, 2017 9:25 AM

Hallo Pietsch,

also 10 Wochen Rückenschmerzen finde ich nicht sehr lang um da gleich an psychosomatisch zu denken. Hast du denn gar keine manuelle Therapie verschrieben bekommen? Was nimmst du an Medikamenten und musst du viel sitzen oder stehen am Tag bzw auf Arbeit?

Nov 24, 2017 10:27 AM

Hi Jane,

Danke für deine Antwort!

Also 10 Wochen sind schon sehr lange wenn man den ganzen Tag Schmerzen hat und krank geschrieben ist.
Genau sitzen ist das Problem. Besonders da habe ich die Schmerzen. Deswegen auch krank geschrieben, weil ich normalerweise 8h im Büro sitze.

Ich hatte schon 2x 6 Mal Physiotherapie verschrieben bekommen. War 2x beim Osteopathen, einmal osteopressur.
Schmerzmittel habe ich schon Ibuprofen 600, Diclofenac und novaminsulfon durchprobiert. Habe das Gefühl es hilft nichts. Macht keinen Unterschied ob ich das nehme oder nicht. Auch die manuellen Therapien bringen rein gar nichts.

Psychosomatisch liegt auch nahe, da ich bevor das mit den Rückenschmerzen anfing eine Fehlgeburt hatte (die zweite dieses Jahr).
Hatte deshalb 3 Wochen starke Schmerzen, die dann in den oberen Rücken übergingen. vielleicht wurde aber durch die psychische Belastung und den Stress der FG nur etwas anderes ausgelöst, was aber nichts mehr mit der FG an sich zu tun hat.

Deswegen meine Frage wie sich den psychosomatische Beschwerden abgrenzen lassen...

Nov 24, 2017 11:39 AM

Das mit der Abgrenzung ist sehr schwer. Manche Ärzte machen es abhängig von der Art bzw. Beschreibung des Schmerzes durch Patienten. Wenn du nicht genau sagen kannst wie es sich anfühlt also brennend, stechend, drückend etc. sondern eher sagst es sind fürchterliche Schmerzen. Atemnot oder Brustenge, Übelkeit, Gefühlsschwankungen etc. kämen oft noch als weitere Symptome hinzu. Aber im Grunde kann man das kaum unterscheiden. Wird es denn durch Wärme, Kälte oder Bewegung besser? Ich hatte fast 1 Jahr Schmerzen in der Lendenwirbelsäule. Arcoxia bzw. celebrex hat dann als erstes überhaupt mal geholfen und Wärme. Sitzen und lange Stehen ging nur schwer. Für meine chronischen Muskel und Gelenkschmerzen half mir Palexia und damit wurden auch die Rückenschmerzen weniger. Nachdem ich jetzt im September an der Hals- und Brustwirbelsäule behandelt wurde waren die LWS-Schmerzen auch fast weg. Durch die starken Schmerzen hatte sich meine gesamte Muskulatur nur noch weiter verspannt. Das ging auf die Körperhaltung und damit begann der Teufelskreis. Jetzt bin ich mittlerweile fast schmerzfrei. Es kann also sein, dass du einfach komplett verspannt bist und die seelischen Probleme führen ja auch zu An und Verspannung. Achte vielleicht erstmal in der nächsten Zeit darauf was dir gut tut und wann es schlimmer wird. Dann kannst du nochmal mit deinem Arzt drüber sprechen. Bei der Psychotherapie hast du ja 5-6 Probesitzungen. Erst dann musst du dich für eine richtige Therapie entscheiden. Da du teilweise aber einige Wochen auf einen ersten Beratungstermin warten musst, würde ich an deiner Stelle trotzdem schon mal über die Kassenärztliche Vereinigung in deinem Bundesland die Liste der Therapeuten ausdrucken und einen Termin vereinbaren. Absagen oder Abbrechen kannst du dann immer noch

Nov 24, 2017 11:44 AM

Ach ja und sprich auch mal mit deiner Frauenärztin drüber. Vielleicht hat die noch eine Idee

Nov 24, 2017 12:18 PM

Ich kann die Schmerzen eigentlich sehr genau beschreiben. Die sind immer von drückend bis stechend. Ausgehend von zwischen den Schulterblättern wandern sie dann auch zusätzlich in andere Rückenbereiche bis vor in den Rippenbereich.
Wärme hilft tatsächlich ein wenig.
Komplett schmerzfrei bin ich im Schwimmbad. Vermutlich weil dann alles schwerelos ist.
Mit der Frauenärztin hab ich auch schon geredet. Sie meinte gynäkologisch sei alles wieder top. Mit psychosomatischen Diagnosen sei sie vorsichtig. Frauen mit Fehlgeburten hätten wenn dann eher psychosomatische Bauchschmerzen oder das Gefühl noch schwanger zu sein. Das habe ich alles nicht.

Zwei weitere Theorien die ich habe sind.
1. Muskelentzündung durch einen Allergieanfall den ich durch buscopan plus nach der FG hatte
2. Ich hatte vor 10 Jahren Mal Borreliose. Das wurde mit 3 Wochen Antibiotika behandelt und war dann weg. Aber vielleicht nicht richtig?! Hatte gelesen dass Borreliose solche Schmerzen verursachen kann.

Werde die zwei Sachen nochmal mit meiner Hausärztin durchsprechen.
Ansonsten habe ich auch Anfang nächster Woche einen Termin bei einer Frauentherapie Beratungsstelle.

Bin echt verzweifelt langsam. Kann mir nur schwer vorstellen wie du sowas ein Jahr lang durchgemacht hast ;( danke jedenfalls für deine Erfahrungen!

Nov 24, 2017 12:20 PM

Wie wurdest du denn an der Hals- bzw BWS behandelt?

Nov 24, 2017 1:41 PM

Ja Borreliose hatte ich auch. Nach Antibiotika waren die Missempfindungen, Muskelzuckungen und Schmerzattacken weg. Damals hatte man bei mir eigentlich nur vorsorglich behandelt weil nur 1 Bande etwas erhöht war bei den IGM-Antikörpern. Jetzt habe ich nach einem halben Jahr IGG-Antikörper entwickelt, was die Infektion dann doch bestätigt hat.

Ich weiß zwar immer noch nicht woher die anderen Schmerzen gekommen sind und kämpfe noch mit chronischer Fatigue, aber es aufwärts. Zum Glück konnte ich auf 7 Stunden Arbeit am Tag reduzieren und mein Arbeitgeber hat sehr viel Verständnis für meine Situation.

Wegen der Rückenschmerzen bekam ich manuelle Therapie. Hat höllisch wehgetan im Schulter-Nacken-Bereich für 2-3 Tage aber danach wurde es besser. Hätte nicht gedacht, dass es hilft, weil ich ja eigentlich im unteren Rücken die Schmerzen hatte. Meine Ärztin meinte aber, dass die Wirbel alle total schief sind und hatte schon mal die ganzen Blockaden gelöst.

Also für mich klingt deine Geschichte auch nicht nach Psyche, vor allem wenn du beim Schwimmen keine Schmerzen hast. Könnte ja auch eine Nervenschädigung sein oder sonst was. Das mit der Beratungsstelle klingt trotzdem gut. Vielleicht hilft dir das generell weiter für die Zukunft. Ich wünsche dir alles Gute. Lass mal von dir hören, wenn du mehr weißt. Und Ärzte können sich auch irren. Bleib hartnäckig

Nov 25, 2017 8:46 AM

Hallo ir beiden. Jane ich möchte dir ja nur ungern widersprechen, aber bei Pschysomatischen Schmerzen kann Ablenkung gerade helfen. Wenn sich also Piezsch im Wasser so wohl fühlt, und er/sie alles ändere um sich vergisst, wäre genau das ein Indikator dafür. So habe ich das jedenfalls bei meiner Reha im "Meisenheim" gelernt. Leider war bei mir diese Reha für die Katz, aber zumindest habe ich da eine Menge Einblicke erhalten, wie das ist, wenn man wirklich echte psyschosomatisch leidet.

Nov 25, 2017 8:51 AM

Hallo Wolfman,
Kannst du dazu noch mehr sagen? Was tut man dann am besten?
Ist Ablenkung denn dann gut? Oder nur Verdrängung? Wie wird man die Schmerzen am besten los?

Nov 25, 2017 8:53 AM

Wolfman, Ich schließe es ja nicht kategorisch aus. Aber mal ehrlich nach 10 Wochen Schmerzen schon auf die Psyche schieben? Da sollte man wenigstens noch andere Sachen ausschließen

Nov 25, 2017 8:55 AM

Meine Ärztin hat es von Sekunde 1 auf die Psyche geschoben :( wahrscheinlich auch weil ich direkt heulen musste als ich meine Story erzählt habe. Allerdings hab ich generelle Ärztepanik und finde es sowieso stressig und schlimm da irgendwas erzählen zu müssen.

Nov 25, 2017 9:01 AM

Hi Pietsch.
Also Verdrängung hilft sicher nicht. Weil wie das Wort schon sagt, du damit den Auslöser ja nur verdrängt. Wenn es wirklich psyschosomatisch bedingt ist, dann hilft meistens nur, sich mit dem Auslöser auseinander zu setzen. Solltest du einen brauchbaren Therapeuten in der Nähe haben, am besten noch einen, der von jemandem empfohlen wurde, dann würde ich den auf jeden Fall mal aufsuchen. Wie Jane schon sagte, die ersten paar Sitzungen sind "zur Probe". Sollte es dir helfen, wird danach eine Therapie über meistens 20 Sitzungen begonnen. Allerdings wird da wirklich tief gegraben. Es wird sicher erstmal schlimmer, bevor etwas besser wird.
Ablenkung kann ein wirksames Mittel sein. Hast du schonmal autogenes Training versucht? Wenn man sich darauf einlassen kann, kann das wirklich helfen. Mir hilft es jedenfalls. Natürlich nicht wenn man eine akute Schmerzattacke hat, da hilft meist nur sehr wenig. Biofeedback Atmung z.B.
Mehr fällt mir dazu im Moment leider nicht ein.

Nov 26, 2017 7:01 AM

Auf alle Fälle sollte es ein Therapeut sein, der sich mit Schmerztherapie auskennt. Dort lernt man nicht nur Auslöser und Verstärker zu lokalisieren, soweit es möglich ist, sondern sich auch von Schmerzwahrnehmung abzulenken bzw. Methoden zur Schmerzreduktion. Das ist eine klassische Verhaltenstherapie und keine Gesprächstherapie oder Psychoanalyse. Weiterhin sollte man sich einen Schmerzarzt suchen, die kennen sich meistens noch am Besten aus, gerade was die Diagnostik und Behandlung angeht. Meistens sind das Anästhesisten oder Internisten, meine Ärztin behandelt ausschließlich Schmerzpatienten.

Nov 26, 2017 7:05 AM

Hi Schraffi, woher kommen denn deine Schmerzen? Sind sie psychosomatisch? Wenn ja wie wurde das diagnostiziert?

Nov 26, 2017 12:26 PM

Ich möchte mal ganz laienhaft antworten. In der Regel kann in vielen Fällen davon ausgegangen werden, das wenn keine organischen Schädigungen festzustellen sind, es sich um psyschosomatische Schmerzen handelt. Das ist ja auch gar Nichts Schlimmes. Wie Schraffi geschrieben hat, gibt es ja spezielle Schmerztherapeuten die sich solchen Fällen annehmen.

Nov 27, 2017 6:48 AM

Zunächst hallo in die Runde! Also kurz zu mir. Habe seit Jahren chronische Schmerzen. Einige Reaktionen hier auf das Wort „psychosomatisch“ kommen mir sehr bekannt vor. Auch ich war geschockt als mich mein Orthopäde zu einem Schmerztherapeuthen geschickt hat. Dieser hat mir dann neben Medikamenten auch dringlich zu einer Psychotherapie geraten. Ich war geschockt und fühlte mich nicht wirklich ernst genommen. So als ob ich mir was einbilde. Jetzt drei Jahre später... (und immer noch in Therapie) geht es mir viel besser. Mach das bloß. Es ist so hilfreich und man glaubt gar nicht wie sehr da ein Zusammenspiel ist. Man lernt den Schmerz kennen und vor allem damit umzugehen. Ich habe immer noch starke Schmerzen, kann aber viel besser damit umgehen.
Nicht von Anfang an verurteilen... ausprobieren, denn der eigene Körper ist der beste Therapeut... er sagt uns was uns gut tut. Auch das musste ich lernen. Viel Erfolg und gute Besserung!

Nov 27, 2017 10:55 AM

Hi Micky,
genau das ist es was ich anfangs meinte. Keine/r ist ein Spinner oder verrückt nur weil man zu Therapeuten geht. In Amerika ist das ganz normal, nur das viele Amis wirklich spinnen.😎

Nov 27, 2017 11:20 AM

Ja ich habe echt sehr positive Erfahrungen gemacht! Aber jeder muss auch für sich den richtigen Weg finden. Gerade bei chronifizierten schmerzen. 🤗

Nov 27, 2017 3:35 PM

Hi ihr,
Danke für eure Antworten und dass ihr mir Mut macht.
War heute bei der Therapieberatung und die meinte auch ich sei da absolut kein Einzelfall und gerade rationale Menschen wie ich haben wohl öfter das "Problem" dass sich Konflikte körperlich äußern, weil der Verstand es quasi abtut.
Ich werde morgen gleich ein paar Therapeuten durch telefonieren. Auch wenn ich ein bisschen Horror davor habe :/
Liebe Grüße

Nov 28, 2017 12:01 AM

Alles gute!

Nov 28, 2017 2:01 AM

Immer locker bleiben, das wird schon. Und dafür sind Foren ja da, um sich auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen 😊

Nov 28, 2017 8:52 AM

Hallo Pietsch,

drück dir die Daumen, dass du einen Therapeuten findest, bei dem du dich aufgehoben fühlst. Trotzdem würde ich weiterhin die Diagnostik nicht außer acht lassen. Manchmal dauert es Jahre bis die Ärzte etwas finden oder eben nicht, gerade bei Schmerzen. Bei mir scheint es psychosomatisch bedingt zu sein, das können Ärzte aber nur durch Ausschlussverfahren feststellen. Viel Glück!

Feb 19, 2018 3:36 PM

Ich glaube, man sollte das eine Tun und das Andere nicht lassen! So habe ich es gemacht! Ich zuallererst zum Therapeuten gegangen und habe ein halbes Jahr intensiv mit ihm gearbeitet wegen meiner Ohrschmerzen (so von Wegen ich kann es nicht mehr hören ...)! Nach einem halben Jahr hat der gute Mann gemeint, chronische Schmerzen treffen die Seele und die muss auch mal gestrichelt werden, aber erwürge mir empfehlen eine. Neurologen/Infektiologen und Hämatologen aufzusuchen! Ich habe auch nach fünf Jahren noch immer keine Diagnose, höre fast nichts mehr und sehe Den Therapeuten noch immer Anbindung an! Ballast abwerfen entlastet! Es wird Nacht und vielleicht kommt ja der Schlaf ...

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